Unrest Noises

01.12.23–14.01.24
Programm
Eröffnung: 1.12.23, 19 Uhr Öffnungszeiten: Fr 16–20 Uhr Sa + So 14–18 Uhr Geöffnete Wochenenden: 2.–3.12.23 8.–10.12.23 5.-7.1.24 12.1.24 geschlossen 13.–14.1.24
Künstler:in
Eungbok Kang Veneta Androva
Kuration
Elisabeth Würzl Michael Schlecht
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Unrest Noises, die zweite Ausstellung im Jahreszyklus SHIFTS&SHAKES, legt einen Fokus auf das Gefühl einer stetigen Unruhe. In unterschiedlichen Settings thematisieren die beiden Künstler:innen der Ausstellung ein allgemeines Unbehagen, teilweise genährt durch tief verwurzelte Vorurteile und subtile, aber mächtige Annahmen eines gesellschaftlichen Status quo. Die Arbeit von Kang Eungbok setzt sich auf sehr physische Weise mit dem Thema Unruhe auseinander, während die Filmemacherin Veneta Androva persönliche Erfahrungen mit Vorurteilen und Missverständnissen in ihre filmische Episodenarbeit einfließen lässt.

Beide Künstler:innen beschreiben ein stetiges Unwohlsein, das sich durch den Alltag zieht und innere und äußere Konflikte verursacht.

 

Veneta Androva zeigt in ihrem Film Strech&Release ein Wesen aus digitaler Knetmasse, das auf einem blauen Sofa liegt und mit quietschiger Computerstimme kurze Episoden von Begegnungen in Deutschland erzählt. Der Einblick in die flauschig-helle und sanfte, computergenerierte Welt lässt die Erzählung leicht und humorvoll erscheinen. Die Episoden, die sich mit sexistischen und diskriminierenden Vorurteilen auseinandersetzen, enden mit einem poppigen Pfeifen und verwandeln die teilweise beleidigenden Momente in einen Akt der Emanzipation und Selbstbehauptung. Durch die Installation und den Schnitt hat die Videoarbeit keinen Anfang und kein Ende, die Erzählungen können um neue Episoden erweitert und endlos wiederholt werden. Die Künstlerin zeigt Momente von oft unbewussten Übergriffen, Missverständnissen und der Ignoranz von Vielfalt.

Kang Eungboks interaktive Installation Für alle, aber ohne Sitzplätze besteht aus einem festlich für vier Personen gedeckten Tisch mit weißem Tischtuch, weißem Porzellan, Weingläsern und Silberbesteck. Es befinden sich jedoch keine Stühle im Raum und im Laufe der Ausstellung wird sich der Tisch immer wieder selbst leeren und die Ruhe durch ein starkes Rütteln der Tischplatte durchbrechen. Mit jeder Erschütterung gerät die Szenerie weiter aus den Fugen und hinterlässt eine sichtbare und spürbare Unruhe. Der Künstler hat den Tisch nach westlichen Tischsitten gedeckt, die Arbeit entstand im Rahmen seiner Diplomarbeit an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und reflektiert bewusst sein kulturelles Umfeld.

 

Gezeigte Arbeiten:

Veneta Androva, Stretch&Release, 2021, 3D Animation, 10 min Loop

 

Kang Eungbok, Für alle, aber ohne Sitzplätze, 2023, Installation

 

Veneta Androva (*1985, Sophia) absolvierte Freie Kunst an der Weißensee Kunsthochschule Berlin, sowie Kunstgeschichte und Philosophie an der Humboldt-Universität. In ihrer künstlerischen Praxis kombiniert sie verschiedene Medien und Quellen wie Archiv- und Dokumentarmaterial mit Malerei, die durch 3D-Animationen und computersimulierte Umgebungen miteinander verbunden sind. Sie hat an zahlreichen Ausstellungen in Deutschland und Bulgarien sowie in Österreich, Argentinien, Brasilien, Spanien, Polen, der Tschechischen Republik, Ungarn und in Israel teilgenommen, wo sie 2016-2017 einen Teil ihres Studiums der Freien Kunst an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem absolvierte. Androva erhielt außerdem mehrere Stipendien, wie das Elsa-Neumann-Stipendium, die Künstlerförderung des Cusanuswerk, das Mart Stam Stipendium und wurde 2020 mit ihrer Arbeit „From My Desert“ für den Deutschen Kurzfilmpreis nominiert. Ihr letzter Film „AIVA“ gewann den Prix Ars Electronica 2021 in der Kategorie Computeranimation sowie den Goldenen Reiter und den LUCA Gender Diversity Award im nationalen und internationalen Wettbewerb des Filmfest Dresden. Ihre Filme wurden ausgewählt und auf zahlreichen internationalen Filmfestivals präsentiert, darunter: Ars Electronica (AT), Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm (DE), Go Short International Short Film Festival Nijmegen (NL), FILE Electronic Language International Festival (BR), 25FPS International Experimental Film and Video Festival, Zagreb (HR) , FLATPACK Film Festival, Birmingham (UK).

Instagram: @veneta_androva

 

Kang, Eungbok (*1985) studierte Medienkunst und Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, u.a. bei Prof. Helmut Mark und Prof. Christin Lahr. 2023 schloss er sein Studium mit dem Diplom ab. Er lebt und arbeitet in Leipzig.
In seiner künstlerischen Arbeit beschäftigt er sich mit Irritationsmomenten, Kontextverschiebungen und möglichen Veränderungen etablierter Systeme. Prozessorientiertes Arbeiten und die Lust am Experimentieren und Forschen prägen seine künstlerische Herangehensweise. Durch Modifikation, Umstrukturierung und Dekontextualisierung entstehen Installationen, die die Betrachter:innen einladen, etablierte Normen, Werte und Systeme in Frage zu stellen. Die Auseinandersetzung im Spannungsfeld zwischen deutscher und südkoreanischer Kultur ist ein wichtiger Aspekt seines künstlerischen Denkens und Handelns.

Instagram: @eungbok